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(Fotos sind in der Reihenfolge leider etwas durcheinander geraten…..)
Ciao zaeme
Endlich kommen wir wieder mal dazu, unsere Blogseite zu aktualisieren.
Seit wir auf der Suedhalbkugel sind, erleben wir eine Premiere nach der anderen. Bereits der Flug von Bangkok nach Sydney stellte fuer uns eine Premiere in mehrfacher Hinsicht dar: wir flogen zum ersten Mal mit einer Boing 747, es war unser bis anhin laengster Flug (9h, wird noch ueberboten werden), wir sind beide zum ersten Mal auf der Suedhalbkugel.
In Sydney – gefiel uns uebrigens sehr – verbrachten wir vier Tage. Am gleichen Wochenende fand Mardy Gras statt, eine Homo-, Trans-, Inter- etc. sexuellen Parade. Wir haben vom Event erst beim Einchecken erfahren; in der Rezeption des Backpacker-Hotels, das wir per Internet gebucht hatten, teilten sie uns zudem mit, dass ihnen ein Buchungsfehler unterlaufen sei, sie hatten kein Zimmer mehr frei – was uns, nachdem wir die Unterkuenfte gesehen hatten, offen gestanden sehr entegegen kam. Allerdings war es keine einfache Sache, ein anderes Hotel zu finden; wegen Mardy Gras war vieles ausgebucht, gleichzeitig kosteten die Zimmer etwa das Dreifache als sonst….wir haben fuer die vier Naechte in Sydney etwa so viel bezahlt wie in zwei Wochen in Vietnam. Nachdem wir uns jedoch vom Preisschock erholt hatten, beschlossen wir, die Parade nun auch zu besuchen, wenn wir schon ihretwegen so viel fuer die Unterkunft bezahlen mussten…..die Bilder dazu habt ihr ja bereits begutachten koennen:-))
Seit Anfang Maerz sind wir nun auf der Kiwiinsel, in Auckland haben wir einen Camper fuer drei Monate gemietet und zaehlen nun offiziell zu den ‘happy few’ der Campergemeinschaft (auch dies fuer uns beide eine neue Erfahrung). Das Negative zuerst: viele hatten uns vor und waehrend der Reise mitgeteilt, dass man in Neuseeland ohne Probleme frei campieren kann, wir mussten allerdings sehr frueh feststellen, dass dies nicht (mehr) der Fall ist. In vielen Regionen ist ‘freedom camping’ entweder verboten oder streng reguliert, d.h. man kann nur in bestimmten, wenigen Plaetzen ‘frei’ uebernachten. Das Department of Conservation, verantwortlich fuer die Pflege und Kontrolle der Campingplaetze, haelt zudem regelmaessig Patrouillen ab, einer solchen sind wir mal in frueher Stunde begegnet, mussten aber die dafuer vorgesehene Strafe von 200 NZ-Dollar(!) zum Glueck nicht bezahlen:-))
Wandern, wandern und nochmals wandern….seit wir in Neuseeland sind, sind wir wohl etwa die Strecke von Basel nach Genf gewandert…Die gut ausgebauten Wanderwege bieten sich ja auch besonders an, die Landschaft zu Fuss zu entdecken. Unsere bisher spektakulaerste Wanderung hatten wir in der ersten Woche auf der Nordinsel, eine Tageswanderung (rund 20km, ca. 7-8h) durch den Tongariro Nationalpark mit dem besonderen Hoehepunkt (nebst vielen anderen), auf fast 2000m auf einem aktiven Vulkankrater zu wandern!! Uebrigens: Fans von Lord of the Rings werden den ‘Berg’ wieder erkennen, nennt sich im Film Mt Doom…..
Ueber die wunderschoenen, staendig abwechselnden Landschaften Neuseelands wollen wir nicht viele Worte verlieren und verweisen diesbezueglich auf die Fotos. Besondere Highlights nebst dem erwaehnten Tongariro-Nationalpark waren Golden Bay (kilometerlange Sandduenen); Central Otago, vor allem die Gegend um Queenstown (auf unserer bisherigen Tour mit Abstand die schoenste ‘Stadt’ auf der Kiwiinsel); Milford Sound, eigentlich ein Fjord, mit unzaehligen Wasserfaellen und atemberaubenden Bergspitzen aus Granitgestein; sowie Kaikoura, wo wir besondere Begegnungen mit Exemplaren aus der Meereswelt machten (s. Fotos)…
So sehr uns die Landschaft beeindruckt, so wenig gefallen uns hier bis auf wenige Ausnahmen die Staedte; wenig Charme, die meisten sehen sehr aehnlich aus, da nach gleichem Muster konzipiert, fuer unseren Geschmack zu sehr am angelsaechsischen Vorblid orientiert….Wenn wir jedoch einen fuer die Staedte wie auch fuer die Natur Neuseelands gemeinsamen Punkt benennen muessten, dann waere das sicherlich: ‘clean’. Man kommt nicht nur immer wieder ins Staunen ueber die sauberen, klaren Gewaesser, sondern auch ueber die gepflegten Wanderwege, Strassen und oeffentlichen Plaetze etc. Hier werden die oeffentlichen, wie Restaurant/Pub-Toiletten sauberer gehalten als manch ein Tempel in Indien (sicherlich ist einigen von euch letzteres sympathischer…). Diese ‘cleanliness’ trifft man auch in der Lebensmittelbranche an: Supermaerkte, ‘bakeries’ (nicht gleichzusetzen mit unseren Baeckereien, far away…), kleinere Lebensmittellaeden ueberbieten sich mit Oekofood, Glutenfreien Produkten etc. Das Ministerium fuer Toursimus wirbt denn auch mit dem offiziellen label “100% pure NZ” in Anspielung auf Qualitaet und Sauberkeit (uebrigens auch das Moto des naechsten Blockbusters, The Hobbit, in Anlehnung an den Erfolg von Lord of the Rings, finanziell von der Regierung unterstuetzt mit ca. 60Mio.,….). Wie so oft in solchen Faellen, ist nicht alles, wie es scheint; viele Landwirte benutzen Herbizide und Pestizide in Mengen, wie wir sie aus der Moselregion her kennen (per Helikopter); diese kommen ebenfalls in vielen Regionen zum Einsatz, um Strassen, Flussraender etc. von Unkraut und Ungeziefer frei zu spritzen mit (bisher) unabsehbaren Folgen fuer die Umwelt…..’Clean’ ist auch die soziale Selbstwahrnehmung der Kiwis, zumindest die offizielle, gegen Aussen gerichtete, was u.a. an den restriktiven Einwanderungsregeln spuerbar ist. Wir haben im i-sight (Touribuero) in Westport eine Schweizerin (aus dem Toggenburg) getroffen, die seit mehr zwei Jahren auf der Insel lebt und uns erzaehlt hat, dass sie sich fuer die Aufenthaltsbewilligung einer dreistuendigen, aerztlichen Untersuchung in Zuerich unterziehen musste. Sie darauf angesprochen, was sie davon hielt, antwortete sie jedoch ziemlich nonchalant: “Dafuer haben ‘wir’(?!) hier kein Auslaenderproblem.” Welche Auslaender sie wohl meinte? Etwa jene, die den Gesundheitstest nicht bestanden? Uns blieb auf jeden Fall angesichts der Integrationsgeschwindigkeit die Spucke weg. Irgendwie erinnerte uns ihre Bemerkung an eine Aussage einer jungen, mittlerweile populaeren CH-Politkerin in der late-night-show von Viktor Giacobbo, in der sie behauptete, Auslandschweizer wuerden weniger Strom verbrauchen als Auslaender in der Schweiz. Vielleicht wollte sie ja damit lediglich hervorheben, dass Schweizer umweltbewusste Buerger sind, die auch in fernen Gegenden weniger Ressourcen fuer die Integration von Auslaendern beanspruchen(??)…
Wir sind auf jeden Fall froh, dass sich jene ‘Inselmentalitaet’ bei den Kiwis (noch) nicht allzu sehr verbreitet hat. Bestes Beispiel dafuer sind unsere Gastgeber Seager und Sue: seit etwa zwei Wochen arbeiten wir auf ihrer Biofarm, gleichzeitig fuehren sie einen Oeko-Laden in Nelson, in dem wir ebenfalls aushelfen. In der ersten Woche haben wir etwa 2.5 Tonnen Aepfel gepflueckt, woraus in den naechsten Tagen feiner Saft werden soll. Diese Woche waren die Kartoffeln dran….Nach mehr als 6 Wochen campen war das eine interessante Abwechslung; morgen ist unser letzter Tag. Danach geht’s wieder Richtung Nordinsel. In etwa drei Wochen fliegen wir weiter nach Suedamerika…..
Liebe Gruesse aus der Kiwiinsel

